(Fachvokabular: Varikosis, Varikose)
Bei der sogenannten primären Varikose, einer in der Bevölkerung sehr häufig vorkommenden Erkrankung, liegt eine degenerative Krankheit der Venenwand im oberflächlichen Venensystem vor, die sich im Laufe der Zeit zum Krampfaderleiden verschiedener Schwere entwickelt. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Kampfadern von der Stammvenen-Varikose bis zu den Besenreiser-Varizen. Unbehandelt kommt es beim medizinisch bedeutsamen Krampfaderleiden in einer Vielzahl der Fälle zu Komplikationen wie Haut- und Gewebeveränderungen am Unterschenkel, einem Unterschenkelgeschwür (Ulkus cruris; „offenes Bein“) oder auch zu Thrombosen in den tiefen Beinvenen.
Beschwerden
Im Stadium 1 der Krampfaderkrankheit finden sich nur geringfügige Veränderungen; die Patienten haben keine wesentlichen Beschwerden. Im Stadium 2 der Krankheit finden sich Krampfadern; die Beschwerden reichen von Juckreiz der Haut, Schwere- und Spannungsgefühl der Beine, leichter Schwellneigung, Wadenkrämpfen bis hin zu stechenden Schmerzen im Bereich der Krampfadern. Im Stadium 3 der Varikose findet man deutliche Krampfadern, Beschwerden wie zuvor genannt und Hautveränderungen besonders am Unterschenkel infolge der Stauung wie zum Beispiel braune Pigmentflecken, Verhärtungen und Ekzeme. In diesem Stadium kommt es auch häufiger zu Venenentzündungen. Im Stadium 4 findet man beim Patienten ausgedehnte Krampfaderbefunde, o.g. Beschwerden, Komplikationen wie im Stadium 3 und ein Unterschenkelgeschwür.
Untersuchungen
Ziel der Untersuchungen ist u.a. die Unterscheidung der unbedeutenden von der medizinisch bedeutsamen Varikose.
Der Patient wird körperlich untersucht. Daran schließen sich verschiedene apparative Untersuchungsverfahren an wie die Dopplersonographie, die Lichtreflexionsrheographie oder die Venenverschlußplethysmographie zur Bewertung verschiedener (Fehl-)Funktionen im Venensystem. Die farbcodierte Duplexsonographie als heute unverzichtbarer Bestandteil der Venenuntersuchung zeigt im Bild die Beschaffenheit der Venen, ihrer Wandstruktur und Klappensysteme und gibt darüber hinaus Flussinformationen. Die Phlebographie als eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittelgabe in das Venensystem zeigt ebenfalls ein morphologisches Bild der Venen und kann funktionelle Fragen klären.
Behandlung
Alle Patienten ab dem Stadium 2 der Krankheit müssen behandelt werden. Ziel der Behandlung ist es, den Rückfluss von Blut aus dem tiefen Venensystem in das erweiterte oberflächliche Venensystem zu unterbrechen und auf Dauer zu verhindern. Das Blutvolumen im erkrankten Bein muss vermindert werden, um Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödem) zu verhindern.
Eine eigentliche Heilung der Krampfader-Erkrankung ist nicht möglich, ein Neuauftreten von Krampfadern immer möglich!!
Grundsätzlich ist in jedem Stadium der Erkrankung eine konservative Therapie möglich. Die Operation sollte bei Varikose der Stammvenen oder bei Klappendefekten der Verbindungsvenen zwischen tiefen und oberflächlichen Venen erfolgen.
Die konservative Therapie umfasst Kompressionsverbände, medizinische Kompressionsstrümpfe und die Verödungstherapie. Kompressionsverbände und die für die Dauerbehandlung effektiveren Kompressionsstrümpfe sind geeignet, dass o.g. Behandlungsziel zu erreichen. Bei der Verödungsbehandlung zur Behandlung von Seitenastkrampfadern und noch kleineren Varizen bis hin zu den Besenreisern wird durch Einspritzen einer für das Gewebe giftigen Flüssigkeit in die Vene und der anschließenden Kompression ein „veröden“ des behandelten Venenabschnittes erreicht. Das Prinzip der Operation besteht in der Ausschaltung der zur Krampfader veränderten Venenabschnitte durch Entfernung, Unterbindung oder z.B. auch „Verkleben“ mit Kältesonden oder Laser.
Nachsorge
Frühe Mobilisation am Tag der Operation und ausgiebige Bewegung sind unmittelbar nach der Operation richtiges Verhalten auch zur Vermeidung von Thrombosen. Der Patient muss nach der Operation am operierten Bein einen Kompressionsstrumpf tragen; eine Tragedauer von ca. 6 Wochen ist üblich.
Da das Krampfaderleiden eine nicht zu heilende und vielfach weiter fortschreitende Krankheit ist, muss zur Kontrolle der Therapieerfolges oder auch zur Festlegung neuer notwendiger Behandlungsschritte eine regelmäßige Kontrolluntersuchung des Patienten stattfinden.
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