Die Galle, was ist das eigentlich?
Die Gallenflüssigkeit dient der Verdauung von Fett. Sie wird in der Leber von den Leberzellen gebildet und in kleine Gallengänge abgegeben. Viele kleine Gallengänge münden in den Anfangsteil des großen Gallengangs, über den die Gallenflüssigkeit dann in den Zwölffingerdarm fließt. Ein Teil der Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase gespeichert, die im “Seitschluss” an den Gallengang angeschlossen ist. Die Gallenblase ist ein beutelähnliches Organ, in dem die Gallenflüssigkeit gesammelt und konzentriert wird. Sie liegt dem Gallengang mit ihrer engen Öffnung wie ein Überlaufbehälter an. Der Gallengang mündet im weiteren Verlauf in den Zwölffingerdarm. Oft münden Gallengang und Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse gemeinsam in den Zwölffingerdarm. Wenn für die Verdauung von Fetten Gallenflüssigkeit gebraucht wird, kann die notwendige Menge aus der Gallenblase über den Endteil des Gallengangs in den Zwölffingerdarm ausgeschüttet werden, indem sich die Gallenblase zusammenzieht. Hier wird die Gallenflüssigkeit dem Speisebrei, der vom Magen in den Darm geleitet wird, beigemengt. Über die Speicherfunktion der Gallenblase ist es möglich, den Mehrbedarf an Gallenflüssigkeit bei größeren Speisen aufzubringen.
Durch die Gallenflüssigkeit werden Fett und Öle im Speisebrei „emulgiert“, d.h. miteinander vermengt, denn Fette vermischen sich sonst nicht mit Wasser. Die Funktion der Gallenflüssigkeit ist dabei vergleichbar mit der eines Spülmittels in der Küche beim Abwaschen.
Was sind Gallensteine? Gallensteine sind Gebilde aus fester Masse. Es handelt sich dabei nicht, wie der Name Gallensteine vermuten lässt um Steine, sondern um verfestigte körpereigene. Sie können sowohl in der Gallenblase als auch im Gallengang entstehen. In diesen Organen, in denen sich eigentlich nur flüssige Substanzen befinden sollten, können sie einen Reiz und ein Hindernis für den Fluss der Gallenflüssigkeit darstellen. Bei einem Steinleiden des Gallensystems spricht Ihr Arzt allgemein von Cholelithiasis, befinden sich die Steine im Gallengang, von Choledocholithiasis (Gallengangssteinen), in der Gallenblase von Cholezystolithiasis (Gallenblasensteinen). Gallensteine, die über lange Zeit in der Gallenblase bleiben, können eine Entzündung/Reizung der Gallenblasenwand verursachen. Eine solche Gallenblasenentzündung nennt man Cholezystitis. Als Porzellangallenblase bezeichnet man eine Gallenblase mit verdickter und verkalkter Blasenwand, die im Röntgen sichtbar ist.
Wie entstehen Gallensteine? Gallensteine können sich dann bilden, wenn die verschiedenen Bestandteile der Gallenflüssigkeit nicht im richtigen Verhältnis zueinander vorliegen und dadurch die schlecht löslichen Bestandteile „verklumpen“. Die Gallenflüssigkeit besteht zu 80 % aus Wasser. Die meisten anderen Bestandteile wie Gallensäuren, Eiweiße und Bilirubin (ein gelbes Abbauprodukt des Blutfarbstoffes Hämoglobin) sind löslich. Das nicht lösliche Cholesterin dagegen wird nur durch eine ausreichende Menge von Gallensäuren in Lösung gehalten, d.h. es wird von den Gallensäuren praktisch wie ein Mantel eingehüllt. Ist dieser “Mantel” lückenhaft, weil zu wenig Gallensäuren oder zu viel Cholesterin in der Gallenflüssigkeit vorliegen, können die Cholesterinanteile “verklumpen”. Bei den meisten Gallensteinen handelt es sich bei um Cholesterinsteine (80 %). Sie entstehen am häufigsten in der Gallenblase und wandern manchmal in den Gallengang ein. Cholesterinsteine sind hell und oft groß.
Pigmentsteine dagegen, die zum Großteil aus Bilirubin (siehe oben) bestehen, sind eher dunkel. Die Steine können aber auch gemischt zusammengesetzt sein. Weder Cholesterinsteine noch Pigmentsteine kann man normalerweise auf Röntgenbildern erkennen. Manchmal können Gallensteine auch verkalken. Dann sind sie auf einem Röntgenbild zu sehen.
Bei wem entstehen Gallensteine? Wenn Sie ein Gallensteinleiden haben, dann geht es Ihnen nicht anders als einer großen Gruppe der Bevölkerung. Man kann davon ausgehen, dass etwa jede fünfte Frau und etwa jeder zehnte Mann über 40 Jahre, Gallensteine haben. Bei 75-Jährigen sind sie sogar noch häufiger (etwa jede dritte Frau und jeder fünfte Mann). Diese Zahlen zeigen, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Man nimmt an, dass das weibliche Sexualhormon Östrogen einen Risikofaktor für eine Gallensteinentstehung darstellt. Es gibt Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass die zusätzliche Zufuhr von Östrogenen (weibliche Hormone, z.B. die “Antibaby-Pille” oder eine Hormontherapie) das Risiko für die Entwicklung von Gallensteinen noch weiter erhöhen.
Gleiches gilt für übergewichtige Menschen. Auch wenn in Ihrer Familie Gallensteinleiden vorkommen, Sie zuckerkrank sind oder an einer schweren Lebererkrankung leiden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Gallensteine bekommen oder schon haben, größer als bei der übrigen Bevölkerung.
Welche Beschwerden sind typisch? Wenn Sie zu den 25 Prozent der Patienten mit Gallensteinen gehören, die Beschwerden bekommen, dann haben oder hatten Sie vielleicht:
- Gleichbleibend drückende Schmerzattacken mit einer Dauer von mehr als 15 Minuten (bis zu 5 Stunden) an die Sie sich bewusst erinnern (sog. Gallenkolik) Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in den Rücken und die rechte Schulter - Schmerzen und Beschwerden, die bei oder nach dem Essen entstanden sind - evtl. auch Übelkeit, Erbrechen - Unverträglichkeiten von bestimmten Nahrungsmitteln.
Besonders typisch für Beschwerden, die durch Gallensteine ausgelöst werden, sind die Schmerzattacken. Übelkeit und Verdauungsstörungen sind Krankheitszeichen, die auch bei anderen Erkrankungen häufig auftreten. Sie sind nicht ausschließlich auf das Gallensteinleiden zurückzuführen. Sodbrennen, saures Aufstoßen, Druck- und Völlegefühl im Oberbauch sowie Fettunverträglichkeit sind nicht typisch für durch Gallensteine verursachte Beschwerden.
Wenn Sie zusätzlich zu den oben genannten Beschwerden noch eine Gelbfärbung der Haut und der Lederhaut der Augen (= das Weiße in den Augen) sowie einen bierbraunen Urin bemerken, sitzt Ihr Gallenstein wahrscheinlich nicht in der Gallenblase, sondern liegt im Gallengang. Der Gallengang kann durch einen Stein regelrecht verschlossen werden, sodass die Gallenflüssigkeit nicht in den Darm fließen kann, sondern zurückgestaut wird. Das führt oft zur sogenannten Gelbsucht (= Ikterus), d.h. einer Gelbfärbung von Haut und Lederhaut der Augen.
Durch den Stein und den Rückstau von Gallenflüssigkeit kann zusätzlich eine Entzündung der Gallenwege entstehen. Starke Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber und Schüttelfrost sind Zeichen einer solchen Entzündung. Dann spricht Ihr Arzt von einer Cholezystitis (Gallenblasenentzündung) oder Cholangitis (Gallengangsentzündung).
Bei manchen Menschen kann es auch zu einem Rückstau ins Bauchspeicheldrüsengangsystem kommen, weil bei ihnen Gallengang und Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse gemeinsam in den Zwölffingerdarm münden. Wird dieser Bereich durch einen Gallenstein verschlossen, so stauen sich nicht nur Gallenflüssigkeit, sondern auch Sekret der Bauchspeicheldrüse zurück, was dann zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Akute Pankreatitis ) führen kann.
Beim Arzt:
Untersuchungsmethoden: Das Gespräch mit Ihrem Arzt und die körperliche Untersuchung sagen schon sehr viel über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und über Ihr momentanes Beschwerdebild aus. Folgende Untersuchungen sind zusätzlich sinnvoll, um ein Gallensteinleiden zu bestätigen und Komplikationen sowie andere Krankheiten auszuschließen. Es gibt Laboruntersuchungen, bildgebende und endoskopische Untersuchungen:
Untersuchung des Blutes im Labor: Hier geht es um Werte, die etwas über Ihre Leber, Ihre Gallenwege, Ihre Bauchspeicheldrüse und Entzündungsvorgänge im Körper aussagen (z.B. Bilirubin, Leberenzyme, Blutbild).
Ultraschalluntersuchung des Oberbauches: Die Ultraschalluntersuchung ist eine schnelle, ungefährliche und empfindliche (damit wichtigste) Methode zum Nachweis von Gallensteinen. Dabei können Gallensteine, Gallenwege, Gallenblase sowie die Leber und meist auch die Bauchspeicheldrüse dargestellt werden Der Arzt kann erkennen, ob die Gallenblase in Form, Größe und Wandbeschaffenheit verändert ist und ob die Gallengänge als Zeichen eines Gallestaus erweitert sind.
Endoskopisch-retrograde Cholangio(-Pankreato)graphie (ERC oder ERCP) Diese Untersuchung wird vor allem bei Verdacht auf Steine im Gallengang durchgeführt. Ein Endoskop wird vom Arzt unter Sicht durch Ihre Speiseröhre, Ihren Magen und Zwölffingerdarm bis vor die Mündung des Gallengangs gelenkt. Dann wird der Arzt über einen Katheter Röntgenkontrastmittel in den Gallengang und bei bestimmten Fragestellungen auch in den Bauchspeicheldrüsengang einbringen. Durch Röntgenaufnahmen kann er anschließend Ihren Gallengang sichtbar machen.
Andere Untersuchungen müssen nur bei besonderen Fragestellungen durchgeführt werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Bei Gallenkoliken werden in der Regel vom Arzt zunächst ein Schmerzmittel und ein die Gallenwege weitendes und entspannendes Medikament gegeben. Dabei wird die Stärke des Schmerzmittels der Intensität des Schmerzes entsprechen. Allerdings können in der Klinik stärkere Schmerzmittel als bei Ihrem Hausarzt verabreicht werden.
Müssen die Gallensteine entfernt werden, werden sie zusammen mit der Gallenblase entfernt. Dies geschieht nach Möglichkeit laparoskopisch/endoskopisch, also mittels Schlüssellochchirurgie, und nicht durch eine offene Operation. Eine laparoskopische Operation wird in Vollnarkose durchgeführt, die Nachbehandlung kann ambulant durchgeführt werden. Bestimmte Geräte (starre Endoskope), mit Kamera, winzigen Greifzangen und Operationswerkzeugen versehen, können durch vier kleine Schnitte in die Bauchhöhle eingeführt werden. Dort kann der Chirurg (können wir uns) sich ein genaues Bild des Zustandes von Gallengang, Gallenblase und den umliegenden Strukturen machen, die Gallenblase vom Gallengang abtrennen und sie durch einen der kleinen Schnitte in der Bauchhaut entfernen. Manchmal ist es nötig, während der endoskopischen Operation auf eine offene Operation zu wechseln. Nicht für jeden Patienten kommt die endoskopische Operationstechnik in Frage.
Die Möglichkeit der medikamentösen Auflösung der Gallensteine und die Steinzertrümmerung durch Stoßwellen (beide Verfahren können auch kombiniert werden) kommen nur für einen kleinen Teil der Gallensteinpatienten in Frage.
Was kann passieren, wenn man Gallensteine nicht behandelt? Dabei besteht die Gefahr, dass immer wieder Gallenkoliken auftreten oder es zu Komplikationen z.B. einer akuten Gallenblasenentzündung kommt. Sind erst einmal Komplikationen aufgetreten, wird die Behandlung schwieriger.
Besonderheiten
Kann ich ohne Gallenblase leben? Ein Leben ohne Gallenblase hat keine Nachteile, manchmal tritt jedoch während der ersten Tage oder Wochen nach der Gallenblasenentfernung dünner Stuhl auf. Eine spezielle Diät nach der Operation ist nicht erforderlich. Die Ernährung sollte sich danach richten, was Sie vertragen können. Am verträglichsten ist eine ausgewogene Normalkost mit nicht zu großen Mengen an Fett, vielen Vitaminen und ausreichend Ballaststoffen. Insgesamt sollten Sie selbst herausfinden, was Sie am besten vertragen können.
Können nach Entfernung der Gallenblase noch Beschwerden auftreten? Nach einer korrekt durchgeführten Operation können aus verschiedenen Gründen noch Beschwerden auftreten. Eine Ursache dafür können Verwachsungen sein. Möglich sind auch kleine, im Gallengang verbliebene oder neu aufgetretene Gallensteine. Um dies auszuschließen, wird schon während der Operation nach Steinen im Gallengang gesucht. Andere Erkrankungen des Verdauungstraktes, die vielleicht schon vor der Operation bestanden haben, oder nachher neu aufgetretene Erkrankungen des Bauchraumes können ebenfalls weitere Ursachen für weiterhin bestehende oder neu aufgetretene Beschwerden sein.
|