Die arterielle Verschlusskrankheit der Becken-Beinarterien

Der Begriff arterielle Verschlusskrankheit (AVK) beschreibt Verengungen und Verschlüsse der Bauchschlagader und der Arterien zur Durchblutung von Becken und Beinen. Die Ursache für diese Erkrankung ist zumeist eine Arteriosklerose, also eine Verkalkung der Wand der arteriellen Gefäße. Arteriosklerotische Durchblutungsstörungen an Armen und Händen sind wesentlich seltener.
Etwa 20% der älteren Bevölkerung haben eine AVK mit oder auch ohne Beschwerden.
Männer sind wesentlich häufiger als Frauen von dieser Krankheit betroffen.
Risikofaktoren für die Entstehung dieser Krankheit sind Alter, Zuckerkrankheit, Rauchen, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte.
Die arterielle Verschlusskrankheit der Beine ist häufig mit Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße und der Hirngefäße vergesellschaftet; männliche Patienten mit AVK haben eine um 10 Jahre verminderte Lebenserwartung gegenüber Gleichaltrigen ohne AVK.


Beschwerden

Typische Beschwerden des Patienten sind Wadenschmerzen, die beim Gehen nach unterschiedlich langen Strecken auftreten und nach einer Gehpause wieder abklingen (Claudicatio intermittens). Die Krankheit wird häufig auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, da die Kranken beim Stadtbummel wegen der Schmerzen vor einem Schaufenster eine Pause machen und dann wieder ohne Beschwerden ein nächstes Stück gehen können – bis zum nächsten Schaufenster.
Im Stadium 1 der Krankheit ist der Patient noch ohne Beschwerden, hat aber trotzdem schon eine bei Untersuchungen nachweisbare AVK.
Im Stadium 2 der Krankheit hat der Patient die o.g. Beschwerden, je nach Länge der maximalen Gehstrecke am Stück von über oder unter 200 Metern wird hier noch eine Stadium 2a und 2b unterschieden.
Im Stadium 3 der Krankheit hat der Patient auch einen Ruheschmerz, der im Liegen in den Füssen auftritt. Typisch ist hier eine Linderung der Schmerzen, wenn sich der Kranke wieder aus dem Liegen zum Sitzen aufsetzt, also die Beine wieder herabhängen lässt.
Im Stadium 4 der Krankheit kommt es wegen der Mangeldurchblutung zu Wunden v.a. im Bereich der Zehen und Füße.


Untersuchungen

Die Untersuchung des Patienten darf sich nicht nur auf die Untersuchung der Beindurchblutung beschränken, sondern muss auch die häufig miterkrankten anderen Gefäßsysteme von z.B. Herz und Gehirn berücksichtigen!

Die Untersuchung der arteriellen Durchblutung der Becken-Bein-Gefäße umfasst eine körperliche Untersuchung mit Ertasten der Pulse und Abhören der Gefäße mit dem Stethoskop. Eine Gehtest oder eine Bewertung der Gehstrecke auf dem Laufband sind zur Bestimmung der Gehstreckeneinschränkung möglich.
Zur Abschätzung des Schweregrades der Krankheit schließt sich bei jedem Patienten mit AVK eine dopplersonographische Messung der Fußarteriendruckwerte an.

Die exakte Lokalisation und Charakterisierung von Veränderungen der Gefäße erfolgt mittels farbkodierter Duplexsonographie, Angiographie und MR-Angiographie.
Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von apparativen Untersuchungsverfahren, die in Einzelfällen zur Klärung der Krankheit beitragen können.

Da bei vielen Patienten mit AVK auch gleichzeitig orthopädische und neurologische Krankheiten vorliegen und die Beschwerden der AVK überlagern, müssen auch diese Krankheitsursachen abgeklärt werden.


Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Besserung bzw. Beseitigung der durch die Mangeldurchblutung bestehenden Beschwerden der Patienten und ein Verhindern des Fortschreitens der Krankheit.

Eine frühzeitige Beeinflussung von vorliegenden Risikofaktoren ist von großer Bedeutung (Einstellung von Bluthochdruck, erhöhten Fettwerten und Zuckerkrankheit und anderen Faktoren durch Lebensführung und Medikamente, Raucherentwöhnung).

Die frühzeitige Einnahme von Thrombozytenfunktionshemmern – ein typischer Vertreter ist das Aspirin – in Dosierungen von etwa 100 bis 300 mg pro Tag ist von großer Bedeutung für den Patient mit AVK und senkt das Risiko, an Gefäßerkrankungen zu versterben.
In bestimmten Krankheitsfällen ist die Einnahme von Antikoagulantien –hier ist als Beispiel das Medikament Marcumar zu nennen – notwendig.
Patienten im Stadium 2 der Krankheit können durch gezieltes Gehtraining ihre schmerzfreie Gehstrecke verlängern.
Auch die Einnahme bestimmter durchblutungsfördernder Medikamente in Tablettenform oder als Infusionen kommt für Patienten unter bestimmten Voraussetzungen und in bestimmten Stadien der Krankheit in Frage.

Wenn die medikamentöse Behandlung und das Gehtraining nicht zur gewünschten Verbesserung der schmerzfreien Gehstrecke und somit zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen, ist es angezeigt die Strombahnhindernisse in den Gefäßen mittels einer Angioplastie, also einer Ballondehnung, oder einem von zahlreichen operativen Verfahren zu rekonstruieren. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens hängt von zahlreichen Faktoren ab; hier entscheiden Arzt und Patient unter Berücksichtigung der Belastung des Patienten durch den Eingriff und das Langzeitergebnis des jeweiligen Eingriffes.
Im Stadium 3 und 4 der Krankheit kann auch eine Amputation von Gliedmaßen notwendig werden, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Krankheit weiter fortschreitet.

Auch nach einem rekonstruktiven Gefäßeingriff ist die Einnahme von Aspirin oder Marcumar und ggf. noch anderer Medikamente zur Blutverdünnung wichtig.


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